Die Wirtschafts- und Sozialgeschichte befasst sich mit dem ökonomischen und sozialen Wandel in langfristiger historischer Perspektive. Zentrale Themen sind die Geschichte der Industrialisierung, die Entstehung und Auflösung sozialer Klassen, die historische Genese moderner Unternehmen, der demographische Wandel oder das Verhältnis von Staat und Wirtschaft in der Neuzeit. Das Fach zeichnet sich durch einen interdisziplinären Zugang aus: Historische Entwicklungen werden mit Hilfe von wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Theorien untersucht. Neuerdings finden auch kulturwissenschaftliche Ansätze Eingang in die Disziplin. So analysiert die „Neue Institutionenökonomik“ die Bedeutung religiöser Weltbilder, rechtlicher Normen oder politischer Ordnungen für die Herausbildung moderner Marktgesellschaften.
An der Viadrina stehen europäisch-vergleichende und globale Perspektiven im Mittelpunkt von Forschung und Lehre. Die angebotenen Vorlesungen und Seminare decken die Zeit vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart ab. Am Lehrstuhl sind eine „Forschungsstelle für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas“ sowie eine von der VolkswagenStiftung geförderte Nachwuchsgruppe „Globalisierung als historischer Prozess“ angesiedelt. Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des ökonomischen Wissens, die Transformation von Agrargesellschaften in der Moderne, Entwicklungspolitik in peripheren Räumen sowie Wirtschaftskulturen in Ost und Westeuropa. Weitere Projekte widmen sich der Geschichte von Korruption und Klientelismus im 19. und 20. Jahrhundert, der nationalsozialistischen Diktatur, unternehmensgeschichtlichen Fragen sowie der Erwerbsarbeit in (post)industriellen Gesellschaften.




