Workshop für die INFORMATIK 2007 – Informatik trifft Logistik
37. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI)
Universität Bremen, 24.-28.09.2007
Ubiquitous Computing, Pervasive Computing, Ambient Intelligence … Surveillance and Control?
Das Leitthema der INFORMATIK 2007 ist die Informatik bzw. die Produkte der Informatik als wichtige technische Voraussetzungen für moderne Logistik. Standen bis vor kurzem vor allem die Verwaltung und Dokumentation von Warenströmen mithilfe von Computern und Datenbanken im Vordergrund, sind durch technische Entwicklungen, die zur Identifizierung von Gütern und ihren Transportmitteln und zu ihrer exakten Lokalisierung im Raum genutzt werden können, ganz neue Möglichkeiten der informationstechnischen Unterstützung von Prozessen der Logistik möglich geworden. Stichwörter sind hier in erster Linie GPS (Global Positioning System) zur Lokalisierung und RFID (Radio Frequency Identification) zur Identifikation und Nahbereichslokalisierung.
Im weiteren Sinne gehören solche Techniken zu jenen, die schon eine Weile mit Ausdrücken wie Ubiquitous Computing, Pervasive Computing oder Ambient Intelligence diskutiert werden. Damit sind Konzepte gemeint, die eine weitgehend vollständige Informatisierung der Lebens- und Umwelt implizieren. Nicht nur soll Rechenleistung in unbegrenzter Größe immer und überall zur Verfügung stehen, sondern unsere Lebens- und Umwelt soll unmittelbar auf unser Verhalten reagieren und verschiedenste Dienstleistungen bereitstellen. Die häufig zitierten Beispiele sind, dass Wohnräume die anwesenden Personen identifizieren und die Umweltbedingungen an deren spezifische Bedürfnisse anpassen oder eine Verkehrssteuerung, die darauf beruht, dass jedes Objekt im Straßenverkehr exakt lokalisiert wird und sein Verhalten auf das anderer Objekte abgestimmt wird. Noch weiter gehen Ideen, die informationstechnische Artefakte in den menschlichen Körper integrieren, um diesem einen direkten Zugang zu deren Leistungen zu ermöglichen – hierbei entstünden Mensch-Maschine-Hybriden.
Obwohl gerade die zuletzt genannten Ideen eher noch Zukunftsmusik sind (und daher im Workshop allenfalls als Thema für Ausblicke auftauchen werden), stellen Pläne, bspw. jedes einzelne Produkt in Supermärkten mit RFIDs eindeutig zu kennzeichnen, Vorstufen einer weitergehenden Kolonisierung der Lebens- und Umwelt durch Informations- und Kommunikationstechnik dar. Daher ist es nicht übertrieben zu sagen, dass Technologien, die zunächst bspw. für Logistikzwecke entwickelt wurden, viel weiter reichende Möglichkeiten eröffnen, als dies ursprünglich angedacht war. In vielen Diskussionen um solche Technologien spielen insbesondere negative Konsequenzen eine große Rolle. So werden Ubiquitous Computing, Pervasive Computing und Ambient Intelligence vor allem in Zusammenhang mit Überwachung und Kontrolle der Bürger einer Gesellschaft gebracht – im Englischen meist mit dem Ausdruck „surveillance and control“ bezeichnet. Allerdings ist diese Sichtweise zu eng, denn es sind durchaus Szenarien denkbar, in denen die entsprechenden Technologien so angewendet werden, dass dies sozial verträglich ist und mit bestehenden Bürgerrechten in Einklang steht.
Daher soll im Zentrum des Workshops die Frage nach Kriterien stehen, die erfüllt sein müssen, damit der Einsatz von Technologien wie Ubiquitous Computing, Pervasive Computing, Ambient Intelligence oder auch ICT-Implants oder Robotics (die beiden letzten Themenbereiche entsprechend der oben schon genannten Einschränkung) als sozial akzeptabel bewertet werden kann. Dies kann über Fallstudien geschehen, aber auch über prinzipielle und theoretische Überlegungen oder über die Dokumentation empirischer Studien, die die soziale Akzeptanz entsprechender Technologien beinhalten.
Programm des Workshops
- Dienstag, 25.09.2007, Raum wird noch bekannt gegeben
| Uhrzeit | Titel des Beitrags | Autorin/Autor | Chair |
|---|---|---|---|
| 08:30-09:00 | Begrüßung und Einleitung | Michael Nagenborg | |
| 09:00-09:45 | Ethik und Überwachung | Michael Nagenborg | Ricarda Drüeke, Wolfgang Keller |
| 09:45-10:30 | Videoüberwachung in der menschlichen Lebenswelt - Eine bildphilosophische Analyse mit ethischem Fazit | Jens Gulden | |
| 10:30-11:00 | Kaffeepause | ||
| 11:00-11:45 | What is Ubiquitous about Ubiquitous Computing? - Space, Technology, Surveillance, and Behaviour | Martin Klamt | Ricarda Drüeke, Wolfgang Keller |
| 11:45-12:30 | Context-Awareness und rationale Risikowahrnehmung | Oliver Siemoneit | |
| 12:30-14:00 | Mittagspause | ||
| 14:00-14:45 | Verhalten und Einstellungen zum Mobiltelefonieren | Ricarda Drüeke, Sonja Haug, Wolfgang Keller, Karsten Weber | Michael Nagenborg |
| 14:45-15:30 | Das Grundproblem des UbiComp und das Stuttgarter Konzept der Parallelkommunikation | Klaus Wiegerling | |
| 15:30-16:00 | Kaffeepause | ||
| 16:00-16:45 | Inherent Tradeoffs in Ubiquitous Computing Services | Stefan G. Weber, Sebastian Ries, Andreas Heinemann | Michael Nagenborg |
| 16:45-17:30 | Strategien für einen selbst bestimmten und freiheitlichen Umgang mit allgegenwärtigen Kommunikationsdiensten | Jessica Heesen | |
| 17:30 | Schluss des Workshops | ||
Der Workshop richtet sich (u.a.) an Personen, die interessiert sind an:
- Informatik und Gesellschaft
- Datenschutz
- Privatsphäre
- Technikfolgenabschätzung
- sozialverträgliche Technikgestaltung
- innovative Anwendungen
Vorläufiges Programmkomitee
- Karl Kurbel, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder
- Michael Nagenborg, Universität Karlsruhe (TH)
- Karl-Heinz Rödiger, Universität Bremen
- Roland Vollmar, Universität Karlsruhe (TH)
- Karsten Weber, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder
- Alfred Winter, Universität Leipzig
Formalia
Wichtige Deadlines:
- 29.04.2007: Einreichung von Workshop-Beiträgen
- 28.05.2007: Mitteilung über Annahme / Ablehnung
- 01.07.2007: Abgabe der fertigen Druckvorlagen
Die Texte müssen den folgenden Formatierungsrichtlinien entsprechen: http://www.gi-ev.de/service/publikationen/lni/
Die Tagungsorganisatoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz, auch Workshop Chairs, sich zu normalen Bedingungen registrieren müssen, d.h. also für die Teilnahme bezahlen müssen.
Kontakt
Prof. Dr. phil. Karsten Weber, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Lehrstuhl für philosophische Grundlagen kulturwissenschaftlicher Analyse, Postfach 1786, 15207 Frankfurt (Oder), kweber(at)euv-frankfurt-o.de




